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EHEC Erreger wird auch über die Wurzeln aufgenommen

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Laut einem heutigen Zeitungsbericht dementieren die Bauern eine Mitschuld an den zunehmneden EHEC-Erkrankungen.
Sie versuchen sich von der Verantwortung zu befreien, indem sie behaupten Gemüse werde nicht mit Gülle gedüngt.

„Abwegig, Gemüse mit Gülle zu düngen“
Die heimischen Bauern fühlen sich hingegen zu Unrecht beschuldigt. „Da wird gemutmaßt, dass Ehec-Erreger über Gülle auf das Gemüse gespritzt worden sei. Dabei ist es total abwegig, Gemüse mit Gülle zu düngen“, sagte ein Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster. „Gülle wird nur auf Getreide-, Mais- oder Rapsäckern versprüht, aber noch bevor ausgesät wird.“
Licht ins Dunkel könnte jedoch eine ungewöhnliche Häufung von Fällen in Frankfurt bringen. 19 Ehec-Betroffene hatten dort in den Kantinen einer Unternehmensberatung gegessen. Schuld sei wahrscheinlich eine belastete Lebensmittellieferung.

Im Jahr 2002 wurde in einer US-amerikanischen Studie jedoch nachgewiesen, dass die Erreger auch über die Wurzeln in die Pflanzen gelangen können.
Da es in der Landwirtschaft üblicherweise eine Fruchtfolge gibt, können die Erreger von einer vorangegangenen Düngung mit Gülle noch im Boden sein, wenn im Folgejahr Gemüse darauf angepflanzt wird. Diese können von Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen werden.
Die Zeitschrift „Schrot & Korn“ berichtet auch von einer Untersuchung, die die US-amerikanische Lebensmittelbehörde (FDA) 1995 vorgenommen hatte. Dort wurde eine Übertragung der Erreger von Nachbarfeldern durch den Wind nachgewiesen.

Diesen Erkenntnissen widersetzt man sich in Deutschland offenbar und nimmt lieber Schäden an „Leib und Leben“ der Bevölkerung in Kauf, anstatt die Fütterungsmethoden in der konventionellen Landwirtschaft in Frage zu stellen und zu ändern.
Das Verbraucherschutzministerium spielt dabei wieder einmal die unrühmliche Rolle, dass es die Agrar- und die Nahrungsmittelindustrie und die Discounter vor den Ansprüchen der Verbraucher_innen auf Gesundheit schützt.
Die Veränderung der Rinderfütterung, die hauptsächlich mit Mais- oder Grassilage stattfindet, würde eine Einschränkung für die Bauern, den Handel und die Verbraucher_innen bedeuten. Eine artgerechte Fütterung ist nämlich etwas teurer und erzielt nicht so rasante Gewichtszunahmen und Milchleistungen bei den Tieren. Das würde sich auf die Fleisch- und Milch Erzeugerkosten auswirken. Die Bauern, vor allem die industriellen Großbetriebe, fürchten um ihre Gewinne. Das ist der Grund für die Unterdrückung der Fakten. Die Bauern sind in einer Zwickmühle. Steigen ihre Kosten, leidet ihre Konkurrenzfähigkeit, zumal die Lebensmittelkonzerne und Discounter einen enormen Preisdruck ausüben und die Bauern nicht angemessen bezahlen wollen für artgerecht gefütterte Tiere. Kleine und mittlere Betriebe, vor allem in die mit Milchvieh, kämpfen sowieso schon lange ums Überleben. Also geht alles so weiter und man schweigt oder schiebt „Schuld“ hin- und her.
Hier wäre eine gesetzliche Regelung notwendig, die bestimmte Fütterungsmethoden verbietet. Gleichzeitig sollte den Bauern ein guter Mindestpreis für ihre Produkte garantiert werden und die Betriebsgrößen gehörten eingeschränkt.
Letzendlich will das die Politik nicht, die sehr an niedrigen Lebensmittelpreisen interessiert ist. Sonst würde einem Großteil der Bevölkerung nämlich auffallen, dass ihr Einkommen seit 20 Jahren stagniert und alles immer teurer wird. Viele Menschen würden ein Bewußtsein davon bekommen, dass sie faktisch arm sind und unter Umständen aufbegehren. Das wirft dann wiederum ganz neue Fragen auf, denen man sich in der Politik llieber nicht stellt.
Mit Sicherheit ist es nicht die letzte Katastrophe bei der menschlichen Ernährung, die auf dem ausschließlichen Profitdenken gründet. Die Bilder, die wir seit jahrzehnten von leidenden Tieren sehen haben uns nicht erweicht, weil sich niemand persönlich betroffen fühlte. Nun leiden die Menschen selbst. Es ist eine Hoffnung, dass mit dem Näherkommen der Einschläge ein Umdenken stattfindet.

Written by commulog

25. Mai 2011 at 11:44